Hilpoltstein (bb) – Wenn ein Tischtennisspiel 9:2 ausgeht und dennoch dreieinhalb Stunden dauert, muss das einen Grund haben. Und tatsächlich: Der mittelfränkische Zweitligist TV Hilpoltstein war beim seinem Rückrundenstart in Passau lange ein fast gleichwertiger Gegner und handelte sich dennoch eine heftige Schlappe ein. Wie kann so was passieren?
Ganz einfach: Man gewinnt trotz teilweise klarer Führung die knappen Spiele nicht, zeigt Nerven, wenn es eng wird und lässt die letzte Entschlossenheit vermissen. Beispiel Eingangsdoppel: Alexander Flemming und Nico Christ machten mit den Passauer Spitzenspielern Tomas Sadilek und Fantisek Krcil kurzen Prozess, doch am Nebentisch versemmelten Hölter/Schmidl ebenso ihre guten Siegchancen wie Dickhardt/Bindhammer, die es in der Hand hatten, die Hilpoltsteiner Führung wieder herzustellen. Pustekuchen – im Endspiel des Entscheidungssatzes waren die Einheimischen cleverer, gingen nicht das letzte Risiko ein und schaukelten beide Doppel glücklich heim.
Statt eines möglichen 3:0 für Hilpoltstein stand es nach den Doppeln also 1:2. Der wieder einmal überragende Alexander Flemming bügelte zwar die Einzelniederlage von Nico Christ gegen Tomas Sadilek aus, einen der drei besten Spieler der Liga. Doch sein klares 3:0 gegen Frantisek Krcil sollte – und daran glaubte zu diesem Zeitpunkt keiner in der gut besetzten Halle – der letzte Hilpoltsteiner Punktgewinn werden.
Denn schon in den nächsten beiden Spielen setzte sich das Hilpoltsteiner Drama fort: Arne Hölter und Dennis Dickhardt glänzten zwar zwischenzeitlich gegen Martin Pytlik, das Passauer Urgestein, und den Österreicher Mathias Habesohn, mit eindrucksvollen Kontern, doch am Schluss hatten die Passauer mit zwei Pünktchen mehr als ihre Gegner die Nase vorn.
Die Hoffnungen auf der Hilpoltsteiner Fanseite waren immer noch vorhanden, als Felix Bindhammer und Christoph Schmidl an die Tische gingen, hatten die beiden doch in der Vorrunde beim 9:7- Sieg des TV Hilpoltstein allein für drei Zähler gesorgt. Diesmal allerdings machte sich die Heimstärke der Passauer Cracks bemerkbar. Der Tscheche Tomas Pristal spielte so gut wie lange nicht mehr gegen den keineswegs schwachen Felix Bindhammer, und Christoph Schmidl konnte gegen Matthias Bomsdorf seine starke Leistung aus dem ersten Satz nicht ins Ziel retten: Unter dem Jubel der Fans sorgte der einzige deutsche Spieler im Passauer Team für den siebten Punkt.
Dann der Höhepunkt eines alles in allem sehr guten Bundesligaspiels: Die beiden Spitzenspieler Tomas Sadilek und Alexander Flemming lieferten sich eine wahre Schlacht. Lange Ballwechsel auf höchstem Niveau, spektakuläre Konterbälle von Alexander Flemming, faszinierende Topspin-Duelle, die Begeisterungsstürme hervorriefen und am Ende der knappe und etwas glückliche Erfolg des so elegant agierenden Tschechen im Passauer Trikot: Herz, was willst Du mehr – besonders wenn Du ein Anhänger der Niederbayern bist?
Passau gewann alle sechs Entscheidungssätze, hatte auch bei den ganz knappen Durchgängen mit nur zwei Punkten Vorsprung deutlich öfter die Nase vorne als die Hilpoltsteiner Gäste. So kommt es eben zu einem Ergebnis, das eigentlich keiner so recht verstehen kann, der dabei war, doch es stimmte: 9:2 für Fortuna.
TTC Fortuna Passau – TV Hilpoltstein 9:2 Pytlik/Pristal – Hölter/Schmidl 11:6, 8:11, 12:10, 5:11, 11:8; Sadilek/Krcil – Flemming/Christ 7:11, 7:11, 3:11; Habesohn/Bomsdorf – Dickhardt/Bindhammer 11:8, 11:6, 5:11, 4:11, 11:9; Sadilek – Christ 11:9, 5:11, 11:5, 11:6; Krcil – Flemming 9:11, 8:11, 8:11; Pytlik – Dickhardt 11:1, 11:3, 10:12, 8:11, 13:11; Habesohn – Hölter 7:11, 13:11, 6:11, 11:9, 11:9; Bomsdorf – Schmidl 7:11, 11:8, 11:1, 11:6; Pristal – Bindhammer 11:9, 11:6, 9:11, 11:7; Sadilek – Flemming 11:13, 11:4, 1:11, 11:9, 11:9; Krcil – Christ 11:7, 11:6, 10:12, 9:11, 11:4.

