Hilpoltsetein (bb) – Geht der Höhenrausch weiter? Bei den deutschen Meisterschaften in Bamberg avancierten die Tischtennis-Asse des TV Hilpoltstein auf sensationelle Weise zum erfolgreichsten Verein der nationalen Titelkämpfe, ihr Spitzenmann Alexander Flemming war mit Gold und Bronze der fleißigste Medaillensammler, derweil sich Weltstar Timo Boll mit einer Silbermedaille zufrieden geben musste (wir berichteten). Nur zwei Wochen nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte empfangen die Mittelfranken am Sonntag in der Hilpoltsteiner Stadthalle mit der Reserve des Erstligisten TTC Frickenhausen eine Spitzenmannschaft der 2. Bundesliga. Es ist das vorletzte Heimspiel der Saison und beginnt mit einer Ehrung.
Bürgermeister Markus Mahl, stellvertretender Landrat Max Netter und der Hauptverein werden das immer noch auf Wolke Sieben schwebende Team vor dem Match, das um 14 Uhr beginnt, würdigen. Die Verantwortlichen der TT-Abteilung hoffen nicht nur auf ein volles Haus, sondern auch auf Rückendwind durch das „Wunder von Bamberg“. Der ist aber auch nötig, wenn wie im letzten Punktspiel gegen den Tabellenzweiten SC Fürstenfeldbruck ein Sieg gegen die starken Schwaben gelingen soll. Die sind prominent besetzt, sie bringen sogar den mit Abstand besten Spieler der Liga mit.
Masaki Yoshida, ein perfekt ausgebildeter 18-jähriger Japaner, hat überhaupt erst ein Spiel verloren (gegen den Mühlhausener Mattis Burgis), seine Rückrundenbilanz (8:0) ist sogar makellos. Der 17-jährige deutsche Jugendmeister Qiu Liang ist in der Rückrunde ins vordere Paarkreuz gerutscht, wo er allerdings gegen stärkste Konkurrenz noch Lehrgeld bezahlt (1:7). Dennoch zählt der Sohn von Spielertrainer Qiu Jian Xin, dem legendären ehemaligen Erstliga-Akteur, zu den größten Talenten Deutschlands, was er auch in Bamberg mit dem Einzug ins Achtelfinale bewiesen hat.
Etwas nachgelassen hat dagegen sein jüngerer Bruder Qiu Dang, der in der Rückrunde im mittleren Paarkreuz noch kein Spiel gewonnen hat (0:8). Besser machten es da der erfahrene Serbe Zolt Sel (6:2) und der auch erst 18-jährige Littauer Alfredas Udra (5:3), während Jaka Golavsek (1:4) seine gute Bilanz aus der Vorrunde nicht wiederholen konnte.
Überhaupt zeigten die Trainingspartner des deutschen Einzelmeisters Steffen Mengel, der in Bamberg sogar Timo Boll bezwungen hat, in der Rückrunde ein paar Schwächen. In der Rückrundentabelle liegen sie mit 4:4 Punkten deutlich hinter dem TV Hilpoltstein (7:3), der in der Vorrunde bei der 3:9-Niederlage in Frickenhausen allerdings keine Chance hatte. Damals zeigte sich nur der deutsche Vizemeister im Doppel, Nico Christ (Rückrunde 4:4), in Bestform, als er gegen Zolt Sel gewann und sogar dem überragenden Yoshida Paroli bot.
Die Hoffnung auf eine Hilpoltsteiner Revanche wird durch die derzeitige überragende Form von Alexander Flemming genährt, der mit 7:3-Siegen in der Rückrunde den dritten Platz in der Rangliste der besten Spieler einnimmt und in Bamberg als deutscher Meister im Doppel und Dritter im Einzel das Publikum verzaubert hat. Da auch Neuzugang Arne Hölter (7:2) mittlerweile in Hilpoltstein angekommen ist und mit Dennis Dickhardt (3:6) ein exzellentes Doppel spielt, liegt ein „Schwabenstreich“ durchaus im Bereich des Möglichen. Felix Bindhammer (3:4) und Christoph Schmidl (2:4), die beide in der Vorrunde leer ausgegangen sind, wollen sich nämlich auch revanchieren. Die Aussichten, dass dies gelingt, stehen nicht schlecht – zumal sich die vielen Tischtennis-Fans aus der Region die „Meisterschaftsfeier in Hilpoltstein“ sicher nicht entgehen lassen und „ihren Lieblingen“ den Rücken stärken werden.

